So lang in Chile und wie haben noch immer nicht genug, obwohl wir auf unserer Weltreise noch so viele weitere Länder sehen wollen =)

 

 

Teil 1 – Antofagasta: Am Meer und doch so trocken

Am Morgen des 14.04.2016 (Donnerstag) kommen wir in Antofagasta an. Der Grund für unseren Aufenthalt hier ist der bevorstehende Besuch des Very Large Telescope, dazu aber später mehr.

Unsere Unterkunft buchen wir erstmals mit Airbnb und landen einen guten Treffer! Tips zur Anreise gibt es direkt per WhatsApp – irgendwie viel praktischer als via Mail.
?

Wie gewohnt, ist der erste Tag wieder mit Entspannung und Stadterkundung „verbucht“.

Der Strand in der Nähe unserer Unterkunft ist zwar nicht groß aber dafür umso entspannter. Wir beobachten Fußballer beim Konditionstraining und eine Gruppe von Leuten, die sich hier zum Aerobic zusammengefunden haben. Da sich darunter nur zwei Männer befinden ist der Anblick für Anne nicht ganz so interessant wie für mich ?

Stranderkundung in Antofagasta - 14.04.2016, Chile

Stranderkundung in Antofagasta – 14.04.2016, Chile

Die Promenade hier ist auch sehr schön mit Mosaiken gestaltet – und bietet den Kids die Gelegenheit, ihre Roller ans Maximum zu treiben, was ihnen sichtlich Spaß bereitet!

Promenade in Antofagasta - 14.04.2016, Chile

Promenade in Antofagasta – 14.04.2016, Chile

Zum Abendbrot haben wir endlich mal wieder einen leckeren Salat zubereitet.

Beim Salat essen ertappt in Antofagasta - 14.04.2016, Chile

Beim Salat essen ertappt in Antofagasta – 14.04.2016, Chile


 

 

Der Freitag, 15.04.2016 steht ganz im Zeichen der organisatorischen Dinge. Auf dem Weg ins Stadtzentrum laufen wir an der Promenade entlang zur Stadt, wo wir an einem kleinen Yachthafen vorbeikommen, der früher als Transporthafen genutzt wurde. Die Kräne stehen immer noch da. Oder ist es doch eine Piratenbucht? Das dort ankernde restaurierte Schiff lässt es zumindest vermuten ⛵

Alter Hafen in Antofagasta - 15.04.2016, Chile

Alter Hafen in Antofagasta – 15.04.2016, Chile

Dort sitzend bekomme ich einen tollkühnen Einfall. Ich habe mich zu dem Zeitpunkt bereits seit Puerto Montt, also reichlich zwei Wochen nicht mehr rasiert. Das fängt sowohl Anne als auch mich langsam an, zu nerven. Zudem wollen wir beide ungefähr schon seit der selben Zeit regelmäßig ein paar Minuten Sport am Tag machen.

Also beides verbunden und die Wette mit uns selbst steht: der Bart kommt erst ab, wenn wir mindestens 2 Wochen am Stück beide täglich Sport getrieben haben – wenn das nicht mal ein ordentlicher Grund zur Motivation ist ? Bei der Umsetzung in Städten, die uns nicht sportlich fordern soll uns die 7 Minuten App helfen – also mindestens sieben Minuten Sport am Tag sollten immer unterzubringen sein!

Nach diesem geistigen Erguss schlendern wir weiter und erspähen einen kleinen Fischmarkt, den wir uns ganz touri-mäßig direkt angucken, aber nix kaufen – freilich nur, weil wir keine Küche in unserer Unterkunft haben.

Am Strand versuchen sich ein paar pseudo-Surfer an den Wellen. Vermutlich ist das aber nur eine ähnliche Sportart wie Surfen, bei der man aber auf dem Board liegen bleibt – sieht weniger spannend aus ?

Die Innenstadt erinnert uns wieder ein bisschen an die Prager Straße – allerdings marschieren wir schnurstracks weiter zur Post, da Anne ein gewisses Paket wegschaffen muss.

Unser nächstes Ziel ist eine Autovermietung, die wir irgendwo im Internet entdeckt haben. Die ist noch knapp 10km weg – also nehmen wir auf gut Glück den Bus 111. Der bringt uns auch zum gesuchten Standort, nur ist dort keine Autovermietung. Also stehen wir ganz verdutzt rum und sehen dabei scheinbar so ahnungslos aus, dass die Polizisten, die sich gerade Hotdogs zur Pause holen (Klischee also erfüllt) auf uns aufmerksam werden. Mit Händen und Füßen verständigen wir uns mit ihnen. Da sie ja der beste Freund und Helfer sind geben sie uns zu verstehen, dass wir 15 Minuten an Ort und Stelle bleiben sollen. Gesagt getan – noch ein Hotdog bestellt um die Zeit zu vertreiben und schon sind die Jungs wieder da! Endlich mal hinten in einem Streifenwagen mitfahren – ohne Handschellen natürlich. Leider trauen wir uns nicht, ein Foto zu schießen ?

Da es bei der ersten Vermietung, die sie uns ausfindig machen nicht klappt, werden wir noch zur nächsten chauffiert und bedanken uns noch so gut wir können für die Hilfe – echt cool!

Mit dem nun gemieteten Flitzer fahren wir zurück, wobei sich die Parkplatzssuche eher schwierig gestaltet. Eigentlich wird ja empfohlen, die Autos nicht auf offener Straße zu parken, aber die Einheimischen machen es ja auch, also fackeln wir nicht lang und parken direkt beim Hostel.

Parkplatz für unseren Flitzer in Antofagasta - 15.04.2016, Chile

Parkplatz für unseren Flitzer in Antofagasta – 15.04.2016, Chile

Es gibt wieder Salat zum Abendbrot…und der mitgebrachte Nektar-Wein von Pisco Elqui musste endlich auch noch leer gemacht werden. Jaja, wir lassen ganz schön nach ?


 

 

Samstag, 16.04.2016

Heute steht der Wecker auf 4:30 da wir zur Mano del Desierto wollen…und das bei Sonnenaufgang – doch daraus wird leider nichts, denn wir beschließen weiter zu schlafen *Asche aufs Haupt*
Den späteren Morgen bis Mittag bleiben wir aber nicht untätig. Anne bloggt fleißig, damit ihr Lieben wieder schöne Bilder was Interessantes zum Lesen bekommt – und ich organisiere in der Stadt die benötigten Ausdrucke für unsere Teleskop Besichtigung.

Unser Highlight des Tages kommt aber noch – wir machen uns auf zum „La Portada“. Aufgrund einer Fehlnavigation von Anne am Vortag werde ich beratungsresistent und ignoriere eine ihrer Anweisungen gekonnt, was uns einen Umweg von 10 Minuten einbrockt – immerhin Unentschieden an der Stelle ?

Was ist dieses ominöse „La Portada“? Es handelt sich hierbei um einen weißen Felsbogen im Pazifik an der Küste nordwestlich von Antofagasta. Hier tummeln sich allerhand Möwen, Pelikane und „El Jote“ (Truthahngeier). Die genießen die Brandung scheinbar genau so wie wir. Ein Abstecher nach unten in die Bucht bleibt uns leider nicht vergönnt, da der Weg geschlossen ist – Felseinsturzgefahr. Da in einer dreistündigen Foto- und Entspannungssession doch einiges an Bildmaterial zusammenkommt gibt es hier noch die schönsten Aufnahmen direkt auf’s Auge:

Am La Portada in Antofagasta - 16.04.2016, Chile

Am La Portada in Antofagasta – 16.04.2016, Chile

 

Pelikan am La Portada in Antofagasta - 16.04.2016, Chile

Pelikan am La Portada in Antofagasta – 16.04.2016, Chile

 

Möwe am La Portada in Antofagasta - 16.04.2016, Chile

Möwe am La Portada in Antofagasta – 16.04.2016, Chile

 

El Jote (Truthahngeier) am La Portada in Antofagasta - 16.04.2016, Chile

El Jote (Truthahngeier) am La Portada in Antofagasta – 16.04.2016, Chile

 

La Portada in Antofagasta - 16.04.2016, Chile

La Portada in Antofagasta – 16.04.2016, Chile

 

Pfuipfui am La Portada in Antofagasta - 16.04.2016, Chile

Pfuipfui am La Portada in Antofagasta – 16.04.2016, Chile

 

Hüpfwettbewerb am La Portada in Antofagasta - 16.04.2016, Chile

Hüpfwettbewerb am La Portada in Antofagasta – 16.04.2016, Chile

 

 

Am La Portada in Antofagasta - 16.04.2016, Chile

Am La Portada in Antofagasta – 16.04.2016, Chile


 

 

Sonntag 17.04.2016 – der Tag an dem der innere Schweinehund endlich besiegt wird. Richtig gehört/gelesen: wir stehen tatsächlich früh genug auf, um die Mano del Desierto im Sonnenaufgang erstrahlen zu sehen. Anne hätte zwar vielleicht noch lieber die Manu in der Desierto (=Wüste) dabei gehabt, aber heute muss eben ich genügen ?

Während der Fahrt sehen wir außer Industrie und einem Sandsturm (in dem wir ja auch nix sehen – 10m Sichtweite) nicht viel.

Es ist noch stockfinster und wir erreichen unbeschadet unser Ziel. Es ist also nicht verwunderlich, dass wir die einzigen Bekloppten weit und breit sind. Anne findet das gruselig – mir gefällt’s ?

Bei diesem einsam im Wüstensand stehenden Monument handelt es sich um eine Hand, die dazu ermahnen soll, wie der Mensch durch sein Eingreifen in die Natur, die Umwelt nachhaltig schädigt. Das weiß wirklich zu beeindrucken! Und ein paar Foto-spielereien passten glücklicherweise auch noch ins Zeitfenster, aber überzeugt Euch selbst 😉

Lichtspielerei vor der Mano del Desierto bei Antofagasta - 17.04.2016, Chile

Lichtspielerei vor der Mano del Desierto bei Antofagasta – 17.04.2016, Chile

Im Morgengrauen an der Mano del Desierto bei Antofagasta - 17.04.2016, Chile

Im Morgengrauen an der Mano del Desierto bei Antofagasta – 17.04.2016, Chile

Frühstückspause an der Mano del Desierto bei Antofagasta - 17.04.2016, Chile

Frühstückspause an der Mano del Desierto bei Antofagasta – 17.04.2016, Chile

Winkduell mit der Mano del Desierto bei Antofagasta - 17.04.2016, Chile

Winkduell mit der Mano del Desierto bei Antofagasta – 17.04.2016, Chile

Zwischenzeitlich ist es hell und bei Sonnenschein fährt Popanni weiter. Wir haben noch reichlich Zeit, da unser Termin erst 13:45 sein soll. Also befragen wir fix unser Handy-Navi. Angeblich gibt es ein paar Kilometer weiter südlich was Interessantes zu sehen – leider Fehlanzeige. Anne legt also ein 180° Wendemanöver ein und schon sind wir auf dem Weg zum Very Large Telescope auf dem Berg Cerro Paranal, dessen Kuppe für die Teleskope abgesprengt wurde.

11:00 Uhr sind wir schließlich da und vertreiben uns die Wartezeit am Eingang zum Teleskop auf 2700m Höhe mit einem Nickerchen im Auto.

Unser friedlicher Schlaf wird aber durch einen Wärter unterbrochen, der 13:00 auf einmal wild gestikulierend am Auto steht und uns zu verstehen gibt, dass wir umkehren sollten.
Wir sind leicht verwundert was das soll, denn wir wollen schließlich noch die Führung mitmachen.
Dann der riesen Paukenschlag: die Führung ist nicht heute am Sonntag sondern hat bereits gestern stattgefunden. Die Schuld liegt bei mir, denn ich habe die Kopfzeile der Mail nicht gelesen und war immer der festen Meinung, die Führung sei Sonntags.

Anne muss also auf der Rückfahrt ca. eine Stunde lang den wild über sich selbst fluchenden Höni ertragen. So ein blöder Fehler ist mir aber auch selten passiert ?

Naja immerhin waren wir da und haben es aus der Ferne gesehen – dabei sein ist alles ?

Vor dem Very Large Telescope bei Antofagasta - 18.04.2016, Chile

Vor dem Very Large Telescope bei Antofagasta – 18.04.2016, Chile

 

Leicht … naja eher stark geknickt treten wir also besagten Rückweg an und organisieren uns noch Tickets für den Bus nach Calama. Unser Auto wird währenddessen noch mehr oder minder freiwillig von einem putzwütigen lieben Kerl gereinigt, der sich damit ein paar Groschen dazu verdient. Jetzt noch den Mietwagen am Flughafen abgegeben und mit dem Sammelbus zurück. Dabei erhaschen wir noch ein paar Blicke auf Antofagasta von den höher gelegenen Regionen der Stadt aus. Unserer Meinung nach ähnelt die langgestreckte Form der Stadt stark an Chile selbst.

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Zu Hause schaffen es endlich, den ersten Sport mit der 7min App zu absolvieren. Ich versuche mich noch an einem Firmwareupdate für mein Gimbal, was leider durch Windows 10 scheitert. Immerhin bekommt die Kamera ein Update was wir eventuell für Bolivien gebrauchen können. Währenddessen lacht Anne sich über Katzenvideos schlapp – was für ein Leben ?

Ach ja – per WhatsApp bekommen wir noch von unserer Vermieterin Constanza extrem wertvolle Tips über Südostasien – AIRBNB wird also wieder genutzt ?


 

 

 

Teil 2 – Calama: Die Bergbaustadt in der Wüste

Am Montag (18.04.2016) gibt es den vorerst letzten Strandbesuch. Wir beobachten Surfer und entdecken eine Eidechse auf den Felsen, später noch eine Krabbe und genießen den strahlenden Sonnenschein. Kurz vor unserem Aufbruch besorgen wir uns vom stadtbekannten „Empanadas Florencia“ (neben dem wir quasi gewohnt haben) noch Wegzährung.

Letzter Vormittag in Antofagasta - 18.04.2016, Chile

Letzter Vormittag in Antofagasta – 18.04.2016, Chile

 

Der Bus nach Calama bringt uns tiefer in die Atacama Wüste. Wir sehen machen Bekanntschaft mit dem ewig brennenden Reifenstapel (das ist was für Simpsons Fans) und sehen eine Ruinensiedlung. Zudem muss unser Bus wegen eines riesigen Transports, der die ganze Straße in Anspruch nimmt, kurz auf den Schotter ausweichen. Auf dem LKW ist ein gigantischer Kipplader – der sei aber noch später erwähnt.

Fahrt nach Calama - 18.04.2016, Chile

Fahrt nach Calama – 18.04.2016, Chile

 

Das Hostal finden wir wie gewohnt recht schnell – alles paletti. Was uns aber wirklich verwundert ist die auf einmal immer lauter werdende Geräuschkulisse im Haus. Ich mache mich auf die Socken und gucke vor die Tür – tatsächlich – es regnet. In der Wüste!

Diese Tatsache regt mich am Abend zum Nachdenken an und ich beschließe, Anne am nächsten Morgen davon zu überzeugen, anstatt den Bus am Mittwoch nach Bolivien zu nehmen, noch weiter in die Atacama nach San Pedro de Atacama zu fahren. Und wehe, dort regnet es ?


 

 

Dienstag 19.04.2016

Wie vorgenommen ist Anne recht schnell von der Idee hinsichtlich San Pedro begeistert. Also Hotel gebucht – über Airbnb mal wieder – und noch unsere erste Station in Bolivien angefragt. Zeitgleich kümmert sich Anne um die Buchung für den Besuch der größten Mine der Welt. Nach dem Rückschlag vom Teleskop stehen also wieder alle Zeichen auf Erfolg ?

Den restlichen Tag besichtigen wir die Stadt – wie ja eigentlich schon Tradition. Nach einem spontanen Marktbesuch gucken wir uns die hiesige Shoppingmeile an. Anne stockt bei der Gelegenheit gleich noch ihren Schlüppi-Vorrat auf…also ab sofort jede nur noch zwei Mal wenden, bevor sie in die Wäsche kommt ???

Markt in Calama - 19.04.2016, Chile

Markt in Calama – 19.04.2016, Chile

 

Auf unserem Weg zum Park organisieren wir noch den Bus nach Bolivien in ein paar Tagen und sehen eine in Regenbogenfarben strahlende Wolke – sowas kannten wir noch nicht. Im Park gönnen wir uns einen kleinen Snack und beobachten die sich streitenden Hundebanden.

Parkbesuch in Calama - 19.04.2016, Chile

Parkbesuch in Calama – 19.04.2016, Chile


 

 

Mittwoch 20.04.2016

Achtung – dieser Teil des Beitrags ist (Zitat Anne) von einem Mann für Männer geschrieben. Frauen dürfen also gern querlesen 😉

Wir packen am späten Morgen unsere Rucksäcke, da es wir heute noch unsere Reuse nach San Pedro de Atacama fortsetzen. Bevor es aber so weit ist, steuern wir mit insgesamt 25 Mitstreitern die größte Mine der Welt an. Jeder bekommt zunächst eine Schutzweste und einen Helm, denn auch in Chile gilt das Motto „Arbeitsschutz geht alle an“.

Helmpflicht für den Besuch der Chuquitamata Mine bei Calama - 20.04.2016, Chile

Helmpflicht für den Besuch der Chuquitamata Mine bei Calama – 20.04.2016, Chile

Sobald alle versorgt sind, fahren wir mit einem Bus des staatlichen Minenbetreibers „Codelco Norte“ und von einer Expertin begleitet zu unserem Tagesziel, der Chuquicamata Mine, die größten Teils dem Kupferabbau dient.

Während einer 20-minütigen Fahrt schraubt sich der Bus auf ca. 2700 Meter der kurze Schock. Die Führerin erklärt uns, dass wir eventuell wegen der windigen Verhältnisse nicht auf die Aussichtsplattform – den beeindruckendsten Punkt des Besuchs – können. Es wird sich also alles am Eingangstor entscheiden.

Einige 100 Meter vor dem Eingang sehen wir eine verlassene Minenstadt, die kurz nach Eröffnung der Mine Anfang des 20. Jahrhunderts gegründet wurde. Alte Karusselle mit verrosteten Ketten erinnert bisschen an Bilder von Chernobyl und lassen vermuten, wie hier das Leben einst blühte. Zu Spitzenzeiten wohnten hier ca. 25000 Menschen, ungefähr so viel wie in unserer Heimatstadt Coswig heutzutage. Die Stadt wurde zur Geisterstadt, weil der Minenbetreiber gefährliche Gase und Erweiterung der Minen zum Anlass nahm, die Einwohner in Nähe des Flughafens von Calama umzusiedeln.
Seitdem wurde ca. die Hälfte der Stadt mit Gesteinsmaterial der Minenausgrabungen überschüttet um die Mine zu erweitern. Man erzählt uns, dass sogar ein Krankenhaus mit Marmorwänden hier sein stilles Grab gefunden hat.

Wir sind am Eingangstor. Alle bangen, ob und wie es wegen der besagten Windsituation von hier aus weiter gehen soll. Es gibt Entwarnung – wir dürfen also doch rein – super!

Auf den Schotterwegen fahren überall riesige Schlepper herum – einen davon hatten wir ja bereits auf der Fahrt nach Calama gesehen.

Caex bei Calama - 20.04.2016, Chile

Caex bei Calama – 20.04.2016, Chile

 

Insgesamt 82 dieser Giganten, die „Caex“ (Camión de Extracción – also Extraktions-Lastwagen) genannt werden, sind hier 24 Stunden im Schichtbetrieb unterwegs.

Und jetzt die äußerst männlichen Fakten der vom japanischen Hersteller Komat’su produzierten, GPS georteten Caex:

  • Preis – 5 Millionen US-Dollar
  • Höhe des Caex – 7m
  • Breite des Caex – 5m
  • Länge des Caex – 9m
  • Tankvolumen – 5000 Liter
  • Treibstoffverbrauch – 3 Liter Pro Minute (das ist fast so viel wie die Benelli von meinem Schwiegerpapi in Spe – sorry lieber Tino, der musste sein ?)
  • Ladekapazität – 350 Tonnen Kapazität

 

  • Preis pro Rad – 45 Tausend US-Dollar
  • Nutzubgszeit pro Rad – 8 Monate
  • Durchmesser der Räder – 2,9 Meter

Ein Transportzyklus vom Mineneingang bis zum Boden der Mine und zurück dauert ca. 1h15min. Also sind pro 8-Stunden Schicht 6-7 Fuhren möglich.

Der Blick in die Mine ist wahrlich gigantisch und die Teleaufnahmen zeigen, wie spielzeughaft normale PKWs und LKWs gegen diese Monster wirken.

Größte Mine der Welt bei Calama - 20.04.2016, Chile

Größte Mine der Welt bei Calama – 20.04.2016, Chile

Vor der Chuquicamata Mine bei Calama - 20.04.2016, Chile

Vor der Chuquicamata Mine bei Calama – 20.04.2016, Chile

 

Die Chuquicamata Mine selbst ist eine von drei an diesem Standort betriebenen Minen. Ihre Ausmaße von ca. 5km Breite, 6km Länge und wahnsinnigen 1km Tiefe machen sie zum größten Sandkasten für Erwachsene!
Sie wird in 18m-22m hohen Stufen abgebaut (interessant für die Relationen in den Fotos).

Die riesigen Schuttberge drumherum entstammen größten Teils diesem Krater und werden im Fachjargon als „Tortas“ (also Kuchen) betitelt.
Man überlegt, Teile dieser Berge nochmals dem Extraktionsprozess zuzuführen, da sich seit den 1920er Jahren bis heute doch einiges getan hat und man noch viel Resrkupfer in dem Material vermutet – keine Ahnung ob und wann das passieren soll.

Der Plan 2020 sieht zunächst vor, den Berbau unterirdisch noch weitere 1000m tief fortzusetzen und den Standort somit für die nächsten 60 Jahre weiterhin zu betreiben.
Wir stellen fest, dass wir Glück hatten, denn ab diesem Zeitpunkt soll es keine Führungen mehr geben – also sputet Euch, wenn Ihr das noch mit eigenen Augen sehen und erleben wollt!

Interessanter Fakt am Rande:
Es wird vermutet, dass noch viel mehr Kupfer dieser Kupferader in Peru liegt!

Und jetzt haben wir noch ein drittes Mal Glück, da wir uns den Produktionsprozess aus der Ferne anschauen können. Das ist möglich, weil die Wetterlage dafür sorgt, dass die sonst oft in diesem Talkessel fest hängenden giftigen Gase heute wie vom Winde verweht sind.

Kupfergewinnung bei Calama - 20.04.2016, Chile

Kupfergewinnung bei Calama – 20.04.2016, Chile

Grobe Beschreibung des Prozesses, den wir in Form von Gebäuden, Schienen und Wasserbecken vor und sehen.

1. Zerkleinerung des Gesteinsmaterials auf 2mm Korngröße
2. Mischen mit Wasser zu Schlamm.
3. Milkshake Prozess – Luftblasen binden das Kupfer – die gewonnene Masse enthält 33% Kupfer und 1% Molybdän (was 5-6x teurer ist und somit in eigenem Prozess auch konzentriert wird)
4. Einschmelzen der Masse – Gewinnung von 99%-igem Kupfer
5. Galvanisation zu 99,99% reinem Kupfer

Am Tag verlassen 8000 dieser Metallplatten à 175 kg die Mine – jede ca. 800$ Wert, also pro Tag ca. eine halbe Million Euro – was bei den Produktionskosten sicher auch notwendig ist.

Übrigens Teile der übrigen Masse gehen nach Mexiko und Belgien. Dort wird daraus noch Gold und Silber gewonnen, was hierzulande aber zu teuer wäre (genauer konnte die Dame uns das nicht sagen).

Gegen 17:00 sind wir zurück in Calama und nehmen den Bus nach San Pedro de Atacama. Diese Fahrt beschert uns den bislang tollsten Sonnenuntergang der Reise, den wir leider nur vom Bus aus fotografieren können – das kommt nicht im Ansatz an den wirklichen Anblick ran.

Sonnenuntergang kurz vor San Pedro de Atacama - 20.04.2016, Chile

Sonnenuntergang kurz vor San Pedro de Atacama – 20.04.2016, Chile

Die Hostelbesitzerin holt uns sogar vom Busbahnhof ab – cooler Service.
Und für Anne wird der Abend noch mit einer riesen Portion Spaghetti (nach altem Familienrezept ?) getoppt – was kann es Besseres geben?


 

 

Teil 3 – San Pedro de Atacama, wüstiger geht’s wohl kaum!

 

Es ist Donnerstag, der 21.04.2016.
Wir finden uns bei guten 10°C am Frühstückstisch wieder und beraten uns, welche der vielen Ausflugsziele wir ansteuern wollen. Uns gegenüber sitzt ein Pärchen mit ähnlicher Aufgabenstellung. Es handelt sich um zwei super nette Studiosis aus Regensburg, Julia und Alex. Für heute sind sie aber etwas schneller als wir und machen sich recht bald zu einer Fahrradtour ins „Valle de la luna“, das Mondtal auf. Da uns das aber zu anstrengend ist, buchen wir eine geführte Tour am Nachmittag inklusive Beobachtung des Sonnenuntergang über dem Tal.

Für den Vormittag planen wir eine Wanderung zu dem nahe gelegenen „Pukará de Quitor“, wo es begehbare Ruinen einer Siedlung gibt.

Pukará de Quitor bei San Pedro de Atacama - 21.04.2016, Chile

Pukará de Quitor bei San Pedro de Atacama – 21.04.2016, Chile

 

Die Tour zum Valle de la luna wird ein voller Erfolg. Unser Guide Ludwig erklärt uns alles nochmal in englisch, sodass wir auch etwas über die Entstehung der Region lernen können. Gemeinsam mit allen Teilnehmern steigen wir auf den Gipfel der größten Düne des Tals, sagenhafter Blick da oben! Man sieht überall die verschiedenen Sedimentschichten der Felsen und die Salzkruste auf einigen Flächen.

Valle de la luna bei San Pedro de Atacama - 21.04.2016, Chile

Valle de la luna bei San Pedro de Atacama – 21.04.2016, Chile

 

Einige Steine bekommen sogar ihe eigenen Namen, wie z.B. die drei Marias – mit Hilfe von Anne habe ich sogar vier draus machen können =) Der andere heißt T-Rex, so sieht er auch aus!

Vier Marias im Valle de la luna bei San Pedro de Atacama - 21.04.2016, Chile

Vier Marias im Valle de la luna bei San Pedro de Atacama – 21.04.2016, Chile

 

Der Blick über das Tal beschert uns einen sehr schönen Sonnenuntergang, der Hand in Hand mit dem faszinierenden Mondaufgang geht. Leider ist die Tour hier schon zu Ende, aber wir müssen am nächsten Morgen früh raus – null Problem also.

Schwindelfreier Sonnenuntergang am Mirador de Kari bei San Pedro de Atacama - 21.04.2016, Chile

Schwindelfreier Sonnenuntergang am Mirador de Kari bei San Pedro de Atacama – 21.04.2016, Chile


 

 

4:00 klingelt am Freitag (22.04.2016) der Wecker. Draußen sind ca. 5°C, was das Aufstehen nicht gerade erleichtert. „Was muss, das muss“ denken wir uns und schaffen es reichtzeitig 4:30 vor der Hosteltür zu stehen. Hier warten auch Julia und Alex bereits auf den Bus, der uns in Richtung Berge mitnehmen soll.

Ein paar Mondphotos später ist der Bus auch schon da und wir machen uns mit einer kleinen Truppe in Richtung Nordosten zu den Geysiren auf. Unser Tourführer heist Jared und ist halber Schwede, der aussieht wie ein Südamerikaner Bud Spencer und dazu noch ungefähr 6 Sprachen spricht.

Vollmond über San Pedro de Atacama - 22.04.2016, Chile

Vollmond über San Pedro de Atacama – 22.04.2016, Chile

Gegen 7:00 und damit noch im Dunkeln erreichen wir das Geysirfeld „Geisers del Tatio“. Zwei Jungs aus unserer Gruppe wollen am Liebsten im Bus bleiben. Der Grund? Wir befinden uns jetzt auf 4200 Meter über dem Meeresspiegel und es sind wunderbar warme -10°C. Wer das kleine Zeichen vor der Zehn übersehen hat – ja, da steht ein MINUS! Sowas haben wir ja schon eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr gehabt.

Aufgrund der eisigen Temperaturen und mangelndem Multitasking konzentriere ich mich mehr darauf, ein paar schöne Fotos zu knipsen, als den Erklärungen von Jared zu lauschen. Hängen geblieben ist so etwas wie „drittgrößtes geothermales Feld der Welt nach Yellowstone in den USA und einem Ort in Russland, der leider meinem gefrorenen Hirn zum Opfer gefallen ist.

Geysire bei San Pedro de Atacama - 22.04.2016, Chile

Geysire bei San Pedro de Atacama – 22.04.2016, Chile

Nach der notwendigen Frühstückspause mit heißem Kakao aus dem Tetrapack – tatsächlich an einem Geysir erwärmt – fährt unser Bus kurz nach Sonnenaufgang zum größten hier befindlichen Geysir. Das Wasser brodelt und kocht bei 86°C (aufgrund der Höhenlage) und wir frieren bei immerhin noch – 5°C vor uns hin und können unsere Finger kaum noch bewegen.

Dagegen würde doch ein heißes Bad helfen, denken wir uns. Also keine halben Sachen. Klamotten runter, Bikini/Badehose an und ab in die 26-56°C warme Quelle. Anne fühlt sich sichtlich wohl.

Heiße Quellen bei San Pedro de Atacama - 22.04.2016, Chile

Heiße Quellen bei San Pedro de Atacama – 22.04.2016, Chile

 

Nach dieser wahrlich entspannenden Pause, die wir sehr genießen, fällt es mir doch recht schwer, aus dem Pool wieder „an Land“ zu gehen. In der Umkleidekabine merke ich es auch – die Außentemperatur liegt jetzt bei -3cm, ich fühle mich quasi Entmannt.

Also ganz schnell angezogen und schon wurde es wieder wärmer.

Sonne tanken bei San Pedro de Atacama - 22.04.2016, Chile

Sonne tanken bei San Pedro de Atacama – 22.04.2016, Chile

 

 

Auf dem Rückweg haben wir noch einige Blicke auf einheimische Tiere erhaschen können:

Fauna bei San Pedro de Atacama - 22.04.2016, Chile

Fauna bei San Pedro de Atacama – 22.04.2016, Chile

 

Ein Zwischenstopp in dem 5 Seelen Dorf Machuca hilft, unsere Kräfte mit einem leckeren Lama-Spieß wieder aufzutanken. Wirklich lecker, würden wir jederzeit wieder essen – unserer Truppe geht es auch supi, wie man unschwer erkennen sollte 😉

Lecker Lama essen bei San Pedro de Atacama - 22.04.2016, Chile

Lecker Lama essen bei San Pedro de Atacama – 22.04.2016, Chile

 

Bei Ankunft holt uns der Hunger trotzdem wieder ein –  wir bekommen einen Tip von unserer Hostelmutti Amalia, der mal wieder super passt. Im „Las Delicias de Carmen“ gönnen wir uns einen leckeren uns preiswerten Eintopf gemeinsam mit den beiden Regensburgern. Anne schmeckt es so gut, dass sie im Anschluss an die Schlemmerei im Hostal direkt ins Fresskoma fällt und Julia muss getragen werden – richtig so, Mädels!

Cooles Restaurant in San Pedro de Atacama - 22.04.2016, Chile

Cooles Restaurant in San Pedro de Atacama – 22.04.2016, Chile

Da uns der Spaß für den Tag aber noch nicht genug war geht’s 21:00 schon wieder los. Diesmal ins Tal des Todes zum Vollmond-Sandboarden inklusive DJ und ordentlicher Musik. Leider ist der Veranstalter mit der schieren Menge von 60 Teilnehmen stark  überfordert. Am Fuß der Düne heißt es nur „hier liegen die Schuhe, versucht ein passendes Paar zu finden –  wer zuerst kommt mahlt zuerst“. So hatten wir uns das nicht vorgestellt, aber immerhin finden wir beide ein passendes Paar – Glück gehabt!

Insgesamt schaffen wir es, 4/5 Mal die Düne herunterzuschlittern – der wirkliche Kraftaufwand liegt darin, jedes Mail wieder die Düne heraufzuwandern. Auch wenn hier Wüste ist, darf man nicht vergessen, dass wir uns hier auf 2500 MüM befinden. Trotz zweier Pannen am Board schlägt sich Anne wacker – eben Powerfrau durch und durch!

Sandboarden bei San Pedro de Atacama - 22.04.2016, Chile

Sandboarden bei San Pedro de Atacama – 22.04.2016, Chile

1:00 landen wir wieder im Hostel – und fallen einfach nur noch ins Bett, haben wir uns ja irgendwie auch verdient.


 

 

Ausschlafen heißt unser Motto am Samstagmorgen (23.04.2016). Zumindest mehr oder weniger, da es 09:30 Frühstück gibt und wir am Mittag mit dem Bus zurük nach Calama müssen.

Summa Summarum bleibt uns nichts Anderes zu sagen als: Es war eine sehr gute Entscheidung, doch noch mal einen Abstecher nach San Pedro de Atacama gemacht zu haben, mehr einmalige Erlebnisse auf einem Fleck bekommt man kaum!

 

In Calama machen wir nun noch Zwischenstation, da am nächsten Morgen der Bus zur äußerst unchristlichen Uhrzeit 6:00 nach Bolivien abfährt – ein neues Abenteuer wartet also bereits – und Julia+Alex sind auch noch im Bus dabei. Wir sind gespannt!

 


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